Historie

  • Industrielle Nutzungen
  • Erst am Stadtrand, dann mitten in der Stadt

Der heutige Bereich um die Boxhagener Straße war in früheren Zeiten ein Wiesengelände vor den Toren Berlins. Ende des 16. Jahrhunderts entwickelten sich um die entstandene Ackerwirtschaft kleinere Kolonien. Schon damals war die Achse der heutigen Boxhagener Straße eine bedeutende Wegeverbindung. Diese führte von der heutigen Karl-Marx-Allee über die Rummelsburger Bucht bis nach Cöpenick.

Mit der einsetzenden Industrialisierung und den städtebaulichen Erweiterungen Berlins Anfang des 19. Jahrhunderts wurden auch die dörflich-vorstädtischen Gefüge auf dem Freudenberg-Areal durch ein Nebeneinander dichter Wohn- und mehrstöckiger Fabrikbauten ersetzt. Die größtenteils fünf- und sechsgeschossigen Mietshäuser umschlossen die Solitärbauten der Fabriken zu kompakten hochverdichteten Blockrandstrukturen, die seitdem den Stadtgrundriss prägen.

Auf dem Gelände des Freudenberg-Areals wurden in dieser Zeit auch die Produktionshallen der Deutschen Kabelwerke AG errichtet, die danach als Fabrik zur Herstellung von Cyclonetten, d.h. Kleinkrafträdern weitergenutzt wurde. Das produzierende Gewerbe auf diesem Gelände prägte noch bis 2011 das Nutzungsgefüge. So wurden zu Zeiten der DDR die Produktionshallen von den VEB Gummiwerken Berlin betrieben und zuletzt durch die Freudenberg Dichtungs- und Schwingungstechnik GmbH, die u.a. diverse Produkte für die Automobilindustrie produzierte.

Aufgrund der innerstädtischen Lage, der direkten Nähe zur Wohnnutzung und den intensiven Produktionsbedingungen wurde der Entschluss gefasst, den Betrieb an einen gut erreichbaren und modernen Gewerbestandort zu verlagern. Im Oktober 2011 eröffnete die Freudenberg Dichtungs- und Schwingungstechnik GmbH ihren neuen Standort in Adlershof. Zurück blieb auf dem alten Werksgelände insbesondere der viergeschossige gründerzeitliche Backsteinbau.

Wegen der langjährigen intensiven Nutzung des Geländes und dem nachlässigen Umgang mit dem Grund und Boden wurde nach einer gutachterlichen Beurteilung der Entschluss zur Sanierung des kontaminierten Bodens gefasst. Das Sanierungsziel war und ist die Wiederherstellung der Bodenqualität, dies konnte jedoch nur durch den Abriss der Fabrikgebäude gewährleistet werden. Daraufhin wurden die Abrissarbeiten im Herbst 2012 durchgeführt. Parallel dazu wurde ein Planungsprozess angestoßen, der aktuell mit dem derzeitigen Investor kooperativ vorangetrieben wird.

Chronik in Stichworten

  • Boxhagen (Buchshagen): 14. Jhd. erste urkundliche Erwähnung
  • von Berliner Bürgern gern genutztes Wiesengelände vor ihrer Stadt
  • Boxhagener Straße: Ursprünglich ein Landweg (Alter Cöpenicker Weg):
    von der heutigen Karl-Marx-Allee über Rummelsburg nach Cöpenick
  • um 1800 entstand die Colonie Boxhagen mit einigen Siedlungshäusern
  • 1874 Name erstmals in Stadtplan
  • um 1900 entstand dichte Wohnbebauung
  • 1921 nach Eingemeindung in Groß-Berlin Name des Straßenzugs bis zur Berliner Ringbahn: Boxhagener Straße
  • 1906/1907 Hausnummer 80: fünfgeschossiger denkmalgeschützter Stahlskelettbau, unter Karl Bernhard erbaut
  • danach von Deutsche Kabelwerke AG als Fabrik zur Herstellung von Cyclonetten genutzt
  • 1922 an die Deka-Pneumatik GmbH vermietet
  • zu Zeiten der DDR: VEB Gummiwerke Berlin
  • später Freudenberg Dichtungs- und Schwingungstechnik GmbH
  • Oktober 2011: Freudenberg eröffnet neues Gebäude in Adlershof
  • endgültige Schließung des Standorts Boxhagener Straße

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Boxhagener Straße Mitte 19. Jahrhundert

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Produktionswerk